André Kertész
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André Kertész
Budapest (1914–1925), Paris (1925–1936) und schließlich New York (1936–1985) sind die Stationen eines reichen Lebens, das wechselnde Werkgruppen umfasst: frühe Porträts, Kriegsfotos, Kinder, symbolische Stillleben und Interieurs, Städtebilder von Paris, und immer wieder ein Blick für das scheinbar Unscheinbare: Schornsteine, Wolken, Schatten, abstrakte Flächen, die durch Schnee oder nasses Pflaster entstehen. Breit wird dokumentiert, wie sehr Kertész durch die Mitarbeit an verschiedenen europäischen Zeitschriften ( „Vu“, „London Times“, an der „Berliner Illustrierten“ oder „Frankfurter Illustrierten“) Ende der 20er Jahre das Genre der Fotoreportage mitkreiert hat. Der Flaneur Kertész sah gerade in seinen Städtebilder ein Art von visuellem Tagebuch, ein Introspektionsmedium: »Ich interpretiere meine Empfindung in einem bestimmten Augenblick. Nicht was ich sehe, sondern was ich empfinde«.
Der Name Kertész steht längst für einen der ganz großen, stilbildenden Künstler des vergangenen Jahrhunderts. Seine in Zerrspiegeln verkrümmten Akte der 20er Jahre, »Distortions« genannt, haben ihn ebenso berühmt gemacht wie seine nüchtern-klaren »Sachfotografien« von einer Gabel auf einem Tellerrand (1928) oder von Piet Mondrians Brillen. Wirken die Akte von heute aus gesehen erstaunlich verbraucht und bemüht, so sind die kühlen Stillleben Meilensteine der künstlerischen Fotografie geblieben und erzielen Höchstpreise auf dem Kunstmarkt. In solchen Bildern spricht sich der Zeitgeist des Pariser Surrealismus oder der konstruktive Formalismus und die Wertschätzung des alltäglichen Gegenstandes aus, wie wir sie zeitgleich im Bauhaus finden. Sie sind kühl, aber nie cool, streng, aber von einem sachlichen Lyrismus. Innerhalb der großen Gruppe an künstlerisch tätigen Ausländern, insbesondere aus der ehemaligen K.u.K.-Monarchie unterhielt Kertész engen Kontakt zur Avantgarde am Montparnasse. Sein Einfluss auf berühmte Berufskollegen wie Brassai, Ray, Capa oder Cartier-Bresson (»Nous devons tous quelque chose à Kertész«) ist mit Händen zu greifen.
















