Warum weint der König - Eine Kritik des mediävistischen Panritualismus
Warum weint der König - Eine Kritik des mediävistischen Panritualismus
In der modernen Mediävistik vor allem historischer und germanistischer Provenienz erfährt zur Zeit alles, was mit Ritualen zu tun hat oder haben könnte, besondere Aufmerksamkeit. Im Zuge dieser Fokussierung ist es allerdings dazu gekommen, daß rituelles Handeln unkritisch auch dort am Werk gesehen wird, wo es in den Quellen schlichtweg nicht nachweisbar ist, was man eine Tendenz zum ‚Panritualismus‘ nennen könnte. Die beiden hier veröffentlichten Studien nehmen dagegen Stellung, daß zwei konkrete mittelalterliche Verhaltensweisen fast habituell als Rituale bezeichnet werden: Es geht einmal um die angeblich stets nur in Erfüllung politischer ‚Spielregeln‘ in theatralischen Inszenierungen weinenden Herrscher, dann um angeblich in der Heilkunde jener Zeit wichtige Riten, die schon allein durch Autosuggestion medizinische Wirkung zeitigen sollen. Neben der Analyse historischer und literarischer Texte in verschiedenen Sprachen und Gattungen werden auch anthropologische Argumente diskutiert.
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